Über Erdung

Mit Erdung meinen wir eine Verbindung zum Boden, die weit über die taktile Wahrnehmung hinaus geht. Wir finden den Aspekt des Geerdetseins in vielen spirituellen Traditionen. Wenn uns die Meditation nicht erdet, laufen wir Gefahr uns zu verlieren oder zu sehr zu vergeistigen ohne uns zuvor mit unserem irdischen Dasein auseinandergesetzt zu haben. Eine Praxis, die uns mit dem Körper und dem Boden verbindet, schützt uns davor. Ein gutes Beispiel dafür finden wir im japanischen Zen-Buddhismus.


Hier geht es um die Entwickung  von Hara, dem Bauchzentrum, das sich etwa drei Fingerbreit unterhalb des Nabels befindet und als das wichtigste Energiezentrum gilt. Im Hara verankert können wir den Herausforderungen des Lebens angstfrei begegnen und sind verbunden mit der tragenden und Sicherheit gebenden Energie der Erde. Gleichzeitig ist diese Verankerung ein Gegengewicht zum Kopf mit seinem unablässigen Denken. Karlfried Graf Dürckheim, Psychotherapeut und Pionier des europäischen Zen, bezeichnete das Bauchzentrum als die "Erdmitte des Menschen". In der eigenen Mitte zu ruhen heisst, in der Erdmitte zu ruhen - ein starkes Bild voller Unerschütterlichkeit und Vertrauen in die Zugehörigkeit zum großen Ganzen.


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Amorgos und Kum Nye

Was hat Amorgos mit Kum Nye zu tun? Eigentlich nichts. Oder doch? - Amorgos ist eine griechische Insel. Ich verbringe viel Zeit hier. Amorgos ist gebirgig, wild und archaisch. Ein Felsklotz im Meer. An vielen Stellen fallen die Berge steil ins Meer hinab - bedrohlich und beschützend zugleich. Abseits der wenigen, kaum befahrenen Straßen Stille und Einsamkeit - die schweigende Insel. Amorgos hat eine ganz besondere Atmosphäre. Fast mühelos kommen Körper und Geist zur Ruhe. Entschleunigung stellt sich ein. Alles kann sich setzen. Vielleicht weil diese Insel schon so lange stabil in der Ägäis liegt, fühle ich mich erstaunlich aufgehoben und geerdet.


In jeder unserer Kum Nye Übungen kultivieren wir dieses Geerdetsein. Den tragenden Boden unter uns zu spüren, bedeutet sicher zu sein. Aus diesem vertrauensvollen Einlassen heraus kann sich Anspannung lösen und der Geist zur Ruhe kommen. Nur ein Geist, der ruhig ist und sich sicher fühlt, kann sich öffnen für authentisches, gegenwärtiges Erleben. Körperlich drückt sich diese Bereitschaft wahrzunehmen als aufrechte Haltung aus. Die Wirbelsäule wird lang, die Körpervorderseite weitet sich und drückt Offenheit dem Leben gegenüber aus. Manche Übende stellen erstaunt fest, daß sich der Oberkörper im Sitzen fast wie von selbst aufrichtet, wenn die energetische Verbindung mit dem Boden gelungen ist. Das Thema des Erdens ist in Kum Nye so wichtig, dass es zu einem späteren Zeitpunkt einen ausführlicheren Eintrag Wert ist. Ich lasse mich jetzt erstmal von Amorgos tragen ...

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Tenzin Palmo über Meditation

Tenzin Palmo ist eine buddhistische Nonne und Meditationslehrerin aus der tibetischen Tradition. In der Ausschreibung für ein Wochenendretreat an der buddhistischen Akademie Berlin findet sich der nachfolgende Text von ihr, den ich sehr berührend finde. Vom Loslassen.


"Viele Menschen glauben, dass Meditation viel Anstrengung erfordert und etwas ist, was man erreichen muss. Wir halten an der Idee fest, dass es etwas ist, wozu wir uns zwingen müssen und dass wir damit entweder erfolgreich sein oder scheitern werden. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Meditation damit gar nichts zu tun hat. Es ist nur das fixierte Ich, der Anspruch, ein/e Meditierende/r sein zu wollen. Das tiefe Geheimnis der Meditation besteht darin zu lernen, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und darin, vollkommen offen und entspannt zu sein. Es ist kein Akt des Erlangens, es ist ein Prozess des Verlierens, des Loslassens – loslassen, loslassen, loslassen. Dies zu verstehen ist wirklich sehr wichtig, besonders in unserer jetzigen Zeit, wo wir alle darauf programmiert sind etwas zu bekommen. Es geht nicht darum, was man bekommt sondern darum, was man loslassen kann." ( Jetsunma Tenzin Palmo)

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Körpermeditation (Embodied Meditation)

Meditation wird oft als rein geistige Übung verstanden. Begriffe wie "geistiger Weg" oder "Geistestradition" legen das zunächst auch nahe. Abendländisch sozialisiert trennen wir auch gerne zwischen Geist und Körper, Kopf und Herz, Intellekt und Gefühl. Ein Verständnis des spirituellen Weges als rein geistige Übung kann diese Trennung verstärken. Welche Relevanz hat unsere somatische Existenz für die meditative Praxis?


Wir sind mit unserem Körper in die Welt geworfen. Unsere Sinnesorgane verbinden uns mit dem Leben um uns herum. Über den Körper spüren wir Leben, jetzt im Moment. Im Körper sind aber auch Reaktionen auf frühere Erfahrungen in Form von Anspannungsmustern gespeichert. Sie beeinflussen unser Erleben der jetzigen Wirklichkeit, prägen unser Fühlen, Denken und Handeln. Eckhart Tolle verwendet hier den Begriff des "Schmerzkörpers". Wir können den Augenblick nicht mehr unvoreingenommen wahrnehmen und verengen unsere Sicht. Das gibt uns Sicherheit und das Gefühl "Ich" zu sein. Das Leben jedoch wird statisch, verliert die Frische des Augenblicks. Dem steht die prozesshafte, ständig in Veränderung befindliche Qualität des Lebens gegenüber. Im buddhistischen Sinne entsteht Leid aus dem Festhalten oder Ablehnen dieses Lebensflusses.

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MBSR und Kum Nye

Achtsamkeit  Meditation  Körperarbeit  Stressbewältigung  Beratung

Herbert Dietrich in Regensburg

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